Donnerstag, 7. November 2013

Wie bei der IKB aus 1 Million Euro in einer Woche 1 Milliarde wurde


Im Juli 2007 ereignet sich Unfassbares in Deutschland

 IKB-Chef Stefan Ortseifen
Wie kann es sein, dass eine Bank, deren Kerngeschäft die Förderung des deutschen Mittelstandes ist, keinen weiteren Kredit mehr von anderen Finanzinstituten erhält? Noch am 20. Juli 2007 verschickte IKB-Chef Stefan Ortseifen eine Pressemitteilung, in der er die Anleger beruhigte. Die Bank sei von den Problemen des amerikanischen Immobilienmarktes gegebenenfalls mit einem einstelligen Millionenbetrag betroffen. Damit räumt das erste deutsche Kreditinstitut Verluste infolge der Krise am US-Hypothekenmarkt ein. Eine Woche später wird schon eine Milliarde Euro benötigt. Wie kann das sein? Weitere sieben Tage später ist die IKB faktisch pleite. Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) stützt die IKB zusammen mit weiteren Banken mit mehr als 10 Milliarden Euro. IKB-Chef Stefan Ortseifen tritt zurück. Für das Geschäftsjahr 2006 erhielt Ortseifen eine Million Euro Bonus. Im IKB-Aufsichtsrat sitzt wie bereits erwähnt Jörg Asmussen, Steinbrücks Abteilungsleiter. „Als Krisenmanager bestellt der Aufsichtsrat ausgerechnet Reinhard Grzesik, einen ehemaligen Finanzmanager der HRE-Tochter Depfa in Irland. Dieser war bereits dort nicht in der Lage, den Liquiditätsbedarf sauber zu ermitteln.“

2008 wird die Bank für einen dreistelligen Millionenbetrag an den texanischen Finanzinvestor Lone Star notverkauft. Zu beachten ist, dass ein Großteil der Restrisiken bei der bundeseigenen KfW verbleibt. Etwaige Gewinne verbleiben selbstverständlich beim Investor. Rein betriebswirtschaftlich ist dieses Geschäft mehr als zu hinterfragen. Seltsamerweise hat diese maßlose Verschwendung von Steuergeldern auch niemand hinterfragt.

Am 23. Juli 2007 verkündet HRE-Chef Georg Funke die Übernahme des Staatsfinanziers Depfa für 5,7 Milliarden Euro. Jetzt ist die HRE die Nummer eins unter den Spezialfinanzierern in Deutschland. Die Börsen quittieren dies mit Entsetzen, und die Aktie verliert 5,7 Prozent und fällt auf 46,46 Euro.

Nochmals zur Erinnerung: Führende Politiker, Experten und Banker versichern noch Anfang des Jahres, dass Subprime ein reines US-Problem sei und mit Deutschland nichts zu tun hätte. Im August 2007 fluten die Notenbanken den Markt weiter mit Geld, mit dem Ziel, Engpässe bei der Bargeldversorgung der Banken zu überwinden.

Als erste der großen Investmentbanken hat Lehman Brothers, die Investmentbank des Jahres 2002, seine Tochterfirma für Kredite an Kunden minderer Bonität, den Subprime-Sektor, geschlossen. Die ersten 1200 Mitarbeiter werden entlassen. Noch kann sich niemand vorstellen, dass eine der größten Investmentbanken der Welt in einem Jahr nicht mehr existieren wird.


Lehman-Vorstand Richard Fuld verteidigt seine Bank bezüglich des Vorwurfs, faule Geschäfte gemacht zu haben. Er verneint eine Vertrauenskrise der Banken. Seiner Ansicht nach haben zahlreiche Investoren die Finanzprodukte nicht verstanden beziehungsweise keine schwerwiegenden Preisschwankungen erwartet. Fuld geht sogar noch weiter und sagt, dass die meisten von Lehman „erschaffenen“ Produkte auf Kundenwunsch entstanden sind. Nach heutigem Kenntnisstand klingt diese Aussage mehr als banal.

HRE – Lügen ohne Ende oder: wer der Bank glaubt, wird bitter bestraft


Am 3. August 2007 teilt die HRE mit, dass sie vom US-Subprime-Markt nicht betroffen ist. Schon bald kursieren Gerüchte, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, und die Welt sollte bald erfahren, dass an diesen Gerüchten etwas Wahres war. Bei einer Roadshow für Investoren erklärt die Hypo Real Estate, dass keine Verbindung zwischen ihren CDO’s und dem Subprime-Markt in den USA besteht. HRE-Vorstandschef Georg Funke sagt noch am 6. August: „Märkte werden sich relativ schnell wieder beruhigen. Das ist eine Frage von Wochen, allenfalls Monaten.“ 2007 wird HRE-Chef Funke 1,9 Millionen Euro verdienen.

Das Vertrauen zwischen den Banken schwindet weiter. Am 9. August 2007 steigt der Zins für Tagesgeld auf dem Interbanken-Markt, auf dem sich die Banken untereinander Geld ausleihen, von 4,1 auf stellenweise 4,7 Prozent. Diese Zahl bedeutet eine Katastrophe und läutete wahrscheinlich den Start zu dem totalen Desaster ein. Die Banken trauen sich untereinander nicht mehr und horten ihr Geld. Sie alle wissen, dass viele Bilanzen geschönt sind und etliche Leichen im Keller liegen. Als Folge dessen bricht der Interbanken-Markt komplett zusammen. Die EZB stellt den Banken erst 95 Milliarden, dann, nur Tage später, noch einmal 109 Milliarden Euro zur Verfügung.

Diese Summen waren damals unvorstellbar groß. Heute hat sich die Bevölkerung an Meldungen über solch gigantische Summen längst gewöhnt. Mit der Leitzinssenkung von aktuell auf 0,25 Prozent wurde noch einmal Zeit gewonnen.

Blockupy-Demo 2012 (Foto: Frank Schwarz)

Alle Beteiligten in EU, EZB, Bundesregierung, Banken, IWF, Weltbank, usw. wissen ganz genau: „Keiner weiß exakt, wann das Spiel aus ist. Eines ist jedoch gewiss: Wenn das über die Wupper geht, dann wird Blut auf den Straßen fließen.“

Athen: Chaoten und Polizei
 liefern sich Straßenschlachten
 (Quelle: AP/dpa)
Man möchte sich das Szenario gar nicht ausmalen, wenn die Bankautomaten nicht mehr funktionieren, Bargeld knapp wird und z. B. die Lebensmittelmärkte, welche auf fast tägliche Lieferungen angewiesen sind, unter dem Ansturm der Hamsterkäufer zusammenbrechen. Den weiteren Hergang dieses Szenarios überlasse ich an dieser Stelle ihrem Verstand!

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