Mittwoch, 30. Oktober 2013

Drohende Staatsbankrotte

"Wenn der Staat Pleite macht, geht natürlich nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger!"

Carl Fürstenberg, deutscher Bankier (1850 - 1933)


Ein Staatsbankrott erscheint lange nicht mehr so abwegig wie vor wenigen Jahren. Etwa 4,5 Billionen Dollar haben die Regierungen der Industriestaaten 2010 neu aufnehmen müssen. Das ist dreimal mehr als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. In den Vereinigten Staate ist die Verschuldung seit 2006 um 50 Prozent gestiegen. Laut der Zeitung "Die Welt" droht mittlerweile 60 Staaten die Zahlungsunfähigkeit. Experten fordern bereits dringend ein internationales Insolvenzverfahren für Staaten. Von einem Staatsbankrott spricht man, sobald ein Staat bekannt gibt, seine Schulden nicht mehr bezahlen zu können. Dies bedeutet, das Land bedient nicht mehr seine Auslandsschulden - Staatsanleihen verlieren an Wert.


Wie uns die Geschichte lehrt, können Staaten sehr wohl bankrott gehen. Zum einen die Form des offenen Staatsbankrotts. Diese kommt eher selten vor. Zum anderen der Weg des verdeckten Staatsbankrotts. Dieser wird von Regierungen bevorzugt. Dies bedeutete früher eine Münzverschlechterung und heute das Drucken von ungedecktem Papiergeld. Folgen dieser Maßnahmen sind meistens Inflation, Hyperinflation und schlussendlich eine Währungsreform.


Anzeichen für einen drohenden Staatsbankrott ist die Herabstufung der Bonität durch internationale Ratingagenturen. Diese hat zur folge, dass es immer teurer und somit schwieriger für einen Staat wird, sich mit Liquidität zu versorgen. Eine Abwärtsspirale kommt in Gang. Je mehr sich die Kredite verteuern, desto gravierender werden die fiskalischen Probleme des Staates. Diese Probleme reduzieren das Vertrauen der Gläubiger und erschweren eine weitere Kreditaufnahme. Der Bankrott erfolgt, sobald der Staat seine Kreditzinsen nicht mehr bedienen kann. Verlierer eines verdeckten Staatsbankrotts ist die breite Bevölkerung, deren Ersparnisse vernichtet werden. Sie kann die Vermögenswerte des Schuldners weder pfänden noch verwerten, muss auf Zinsen verzichten und bekommt oftmals nur einen Bruchteil ihres Kapitals zurück. 

Zumeist endet ein Staatsbankrott in einer drastischen Abwertung der Währung sowie der Möglichkeit eines Totalverlusts bei Staatsanleihen. Laut einer Untersuchung der 13 staatlichen Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen. Hierbei gab es erhebliche Schwankungen zwischen den einzelnen Ländern.

Gläubiger der Dominikanischen Republik hatten nur einen Verlust von fünf Prozent zu verzeichnen - Besitzer russischer Anleihen einen Verlust in Höhe von 82 Prozent. Wenn man eine Lehre aus der Vergangenheit ziehen kann, dann die, dass bei Staatsbankrotten und Währungsreformen immer 99 Prozent der Bürger die Zeche bezahlen mussten. Nur ein Prozent war vorbereitet. Bereiten auch Sie sich auf das Unmögliche vor.!

Staatsbankrotte
  • Afrika: Nigeria fünfmal, Marokko viermal, Südafrika draimal und Ägypten zweimal.
  • China: 1425, 1921 und 1939
  • Deutschland: 1923 und 1948
  • Frankreich: acht Staatsbankrotte zwischen den Jahren 1500 und 1800
  • Griechenland: seit Unabhängigkeit 1829 fünf Staatspleiten
  • Indien: seit Unabhängigkeit 1974 dreimal Staatsbankrott sowie 1958, 1969 und 1972
  • Mexiko: seit 1821 acht Staatspleiten
  • Österreich: 1796 und fünfmal im 19. Jahrhundert sowie nach dem zweiten Weltkrieg
  • Portugal: 1828, 1837, 1841, 1852 und 1890
  • Russland: 1839 und 1885, 1918, 1991 und 1998
  • Spanien: 19 Staatspleiten. Bis 1800 sechsmal pleite, im 19. Jahrhundert sieben mal
  • Venezuela: zehn Staatsbankrotte
  • Südamerika: Jedes Land ist seit dem Jahr 1800 mindestens dreimal zahlungsfähig geworden
  • Im 19. Jahrhundert war Venezuela und die Dominikanische Republik waren es jeweils viermal
  • Weitere Staatsbankrotte im 20 Jahrhundert: Venezuele: 1983, 1990, 1995 und 2004
  • Costa Rica: 1901, 1932, 1962, 1981, 1983 und 1984, Brasilien ging siebenmal Bankrott, Ecuador sechsmal Argentinien war seit der Unabhängigkeit 1816 siebenmal pleite. Letzer Fall von Staatsbankrott 2002
  • Türkei: 1876, 1915, 1931, 1940, 1978 und zuletzt 1982
Und möglicherweise bald: Griechenland, Portugal, Ungarn, Spanien, Slowenien, Italien, Belgien ...

"Kein Staat ist in der Lage, sich genügend einzuschränken, wenn ihm unbeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Diese Erfahrung muss jede Generation, die nicht bereit ist, aus der Geschichte zu lernen, von Neuem machen."



Erich Leverkus, Bankier


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