Dienstag, 17. September 2013

Was ist Geld?

"Gold und Silber sind Geld, alles andere ist Kredit."

John Pierpont Morgan, Gründer der US-Bank JPMorgan


Weder in der Schule noch in meinem Studium wurde diese Frage jemals aufgegriffen. In diesem Artikel wird über Geld gesprochen. Aus diesem Grunde sollten wir uns fragen: Was ist Geld?

"Geld ist ein spezielles Tauschmittel. Speziell, weil es nicht unmittelbar den Bedarf eines Tauschpartners befriedigt, sondern (nur) zu weiteren Tauschaktionen einsetzbar ist". Voraussetzung hierfür ist die allgemeine Anerkennung. Diese wird weitgehend vom Staat für das vom durch die Zentralbank herausgegebene Geld gewährleistet. Der Staat ist per Gesetz verpflichtet, dieses Geld zur Begleichung aller Steuerschulden unbegrenzt anzunehmen. Das vom Staat herausgegebene Geld gilt als "Gesetzliches Zahlungsmittel". Geld gibt es in Form von Münzen, (Bank-)noten und Buchgeld (Giralgeld). Der Staat empfiehlt jedem Marktteilnehmer, dieses Zahlungsmittel zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen zu verwenden.

Es existieren 2 Arten von Geld:

a) Gedecktes Geld

Bei gedecktem Geld werden Münzen aus Edelmetall, welches einen bestimmten Wert hat, hergestellt. Bei den Banknoten handelt es sich um Schuldverschreibungen, für die ein entsprechender realer Sachwert (z.B. Gold) hinterlegt ist. Bei Vorlage dieser Schuldverschreibung ist die Zentralbank verpflichtet, auf Aufforderung eine bestimmte Menge an beispielsweise Gold auszuhändigen. Logischerweise kann die Zentralbank nur Geldnoten in demselben Volumen herstellen und herausgeben, die dem Volumen der insgesamt real verwalteten Vermögenswerte der Zentralbank entsprechen. Es ist für die Zentralbank also unmöglich, beliebig viel Geld zu drucken.

Bis zu Beginn des 1. Weltkrieges existierten in vielen Staaten goldgedeckte Papierwährungen (Goldstandard). Diese Zeit war geprägt von wirtschaftlicher Stabilität, niedriger Inflation und solidem Wachstum.

Beispiele von gedeckten Papierwährungen und ihre Lebensdauer:

Französischer Franc >>> 1814-1914 <<< Stabilität: 100 Jahre
Holländischer Gulden >>> 1816-1914 <<< Stabilität: 98 Jahre
Pfund Sterling >>> 1821-1914 <<< Stabilität: 93 Jahre
Schweizer Franken >>> 1850-1914 <<< Stabilität: 86 Jahre
Belgischer Franken >>> 1832-1914 <<< Stabilität: 82 Jahre
Schwedische Krone >>> 1873-1931 <<< Stabilität: 58 Jahre
Deutsche Mark >>> 1875-1914 <<< Stabilität: 39 Jahre
Italienische Lira >>> 1883-1914 <<< Stabilität: 31 Jahre

b) Ungedecktes Geld (FIAT-Geld)


Der Begriff ist vom lateinischen Wort fiat ("es werde") abgeleitet. FIAT-Geld entsteht infolge eines Beschlusses der gesetzgebenden Orange eines Staates, und es besteht keine Einlöseverpflichtung seitens des Herausgebers in Gold oder Silber. FIAT-Geld bedeutet nichts anderes, als Geld aus dem Nichts (ungedeckt) in beliebiger Höhe zu schaffen, zum Beispiel durch die Notenpresse oder durch die Geschäftsbanken.

Bei ungedecktem Geld hat die Münze einen wesentlich geringeren Materialwert, und es besteht keinerlei Anspruch an die Zentralbank auf Herausgabe eines entsprechenden Wertes wie beispielsweise Gold. Ein Anspruch gegen die Bundesrepublik bei Münzen und gegen die Zentralbank bei Banknoten ist nicht gegeben. Somit sind Münzen und Banknoten nur so viel Wert, wie irgendjemand - freiwillig - bereit ist, dafür herzugeben.

Dieses Geldsystem besiert schlicht und einfach auf Vertrauen - nicht mehr und nicht weniger. Es funktioniert so lange, wie die Mitglieder der Gesellschaft bereit sind, Waren und Dienstleistungen gegen dieses bedruckte Papier bzw. die minderwertigen Münzen zu tauschen. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, ist es vorbei, und das Ende der Währung ist besiegelt.

Dr. Chris Martenson, ein amerikanischer Wissenschaftler, bringt es auf den Punkt: "Geld ist ein Anspruch auf eine Leistung."

Wo auch immer Sie Geld einsetzen, möchte Sie etwas dafür erhalten, sei es eine Ware oder eine Dienstleistung.

Die Erkenntnis, dass Geld ein Anspruch auf Leistung ist, hat einige bezeichnende Konsequenzen:

  • Geld hat nur einen Wert, wenn die gewünschte Leistung auch existiert. Dazu ein drastisches Beispiel: Für alles Geld der Welt gibt es für Tschernobyl kein unverstrahltes Land, denn es existiert nicht mehr.
  • Geld ist nur ein Anspruch auf Leistung, nicht die Leistung selbst. Auch dazu ein Beispiel: Haben Sie einen Unfall, dann können Ihnen Millionen gespendet werden. Behandeln muss Sie aber immer ein Mensch. Geld kann das nicht!
  • Geld arbeitet - entgegegen der Behauptung von Bankstern Bankern - nicht, nur Menschen arbeiten.
  • Durch Schaffung von Geld wird keine Leistung geschaffen.
  • Die Zentralbanken können noch so viele Milliarden an frischen Geldscheinen drucken, mehr Leistung gibt es deswegen nicht, auf die man Anspruch erheben könnte.
Geld ist nicht Zweck, sondern Mittel der Wirtschaft, und Wirtschaft ist der Austausch von Gütern und Dienstleistungen.

Anekdote: Alle Motive und Gebäude auf den ungedeckten Euroscheinen existieren nicht. Sie sind fiktiv. So wie der substanzielle Wert des Euros!

"Die täglichen grenzüberschreitenden Geldbewegungen sind heute 25-mal größer als die grenzüberschreitenden Güterbewegungen. Geld wird nicht mehr nur als Transaktionsmittel benutzt zum Zwecke der Finanzierung, sondern Geld wird gehandelt wie eine eigene Ware."



Alfred Herrhausen, ehemaliger Vorstandssprecher der Deutschen Bank


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