Donnerstag, 19. September 2013

Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken

Wie erzeugt eine Geschäftsbank selbst Geld?

"Jedes Mal, wenn eine Bank einen Kredit gibt, wird neues Guthaben erzeugt, neue Einlagen - brandneues Geld."

Graham F. Towers, ehemaliger Direktor der Bank of Canada


Die Mehrheit vertritt die Meinung, dass die Zentralbanken das meiste Geld erschaffen. Dies ist jedoch falsch, denn fast die gesamte Geldmenge entsteht in privaten Banken bei der Vergabe von Krediten. Auch "verleihen" die Banken nicht das Geld, das dort von anderen Kunden deponiert wurde. Dieses Geld dient lediglich als Reserve, während die Banken ein Vielfaches davon als Kredite vergeben. Im engeren Sinne sind Kredite also kein Geld, sie wirken dennoch wie "echtes" Geld, mit dem man ganz normal bezahlen kann.

Was ist ein Kredit?

Viele haben von einem Kredit ein völlig falsches Bild. Der Volksmund sagt: Ich habe einen Kredit bei der Bank aufgenommen, also habe ich mir das Geld von der Bank geliehen.

"Einen Kredit gewähren, bedeutet nicht, etwas zu verleihen, sondern es ist ein Tausch, ein Kauf und ein Verkauf. Der Kreditnehmer (Schuldner) verkauft Geld, das er nicht hat, und verspricht, dieses Geld zu einem vereinbarten Termin in der Zukunft (Kreditlaufzeit) zu liefern. Ein (Geld)-Kredit ist nichts anders als ein Geldversprechen für die Zukunft."

Die Mindestreserve in Höhe von 2 Prozent

Banken müssen ausschließlich einen Mindestreservesatz von zwei Prozent bei der EZB vorweisen - sie haben das einzigartige Privileg, selbst hergestelltes "Geld" zu verleihen. Nicht nur das, sie dürfen dafür auch Zinsen verlangen. Das Schlimme ist jedoch, dass sie beim Ausbleiben der Rückzahlung kraft des Gesetzes reale Werte pfänden lassen und somit Bürger enteignen dürfen.



Wie aus 200 Euro 10.000 Euro werden?

Wenn eine Bank nur über zwei Prozent der von ihr gebuchten Gelder wirklich verfügen muss, kann sie folglich selbst Geld erzeugen (schöpfen). Zur Gewährung eines Kredits in Höhe von 10.000 Euro benötigt eine Bank ausschließlich 200 Euro nicht benötigtes Guthaben auf ihrem Zentralbankkonto.

Ein fiktives Beispiel:


Der Kunde, Herr Maier, betritt die Bank Fantasia, weil er einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro aufnehmen möchte, um ein Motorrad zu erwerben. Für die Fantasia Bank stellt dies kein Problem wegen des Eigenkapitalanteils von nur 200 Euro dar. Die Bank Fantasia gewährt dem Kunden Maier den gewünschten Kredit über 10.000 Euro. Falls er seine Raten nicht bezahlen kann, gehört das Motorrad selbstredend ganz schnell der Bank.

Die Fantasia Bank schreibt also eine Zahl in diesem Fall 10.000 Euro, auf ein Konto. Und damit ist das, was für Kreditnehmer Herr Maier Geld ist, in die Welt gekommen.


(Wenn 200 Euro als Mindestreserve bei der EZB hinterlegt wurden und diese nur zwei Prozent entsprechen, so sind folglich 10.000 Euro 100 Prozent.)


Die Fantasia Bank bucht in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegnüber dem Kunden Maier ein, zum Beispiel 10.000 Euro; parallel schreibt sie dem Girokonto des Kunden Maier- das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird - 10.000 Euro gut. Der Bank-Kunde Maier bucht umgekehrt; Auf seinem Konto hat er 10.000 Euro mehr.


Diese Gutschrift erhöht logischerweise die Einlagen des Bank-Kunden Maier auf seinem Girokonto. Es entsteht Giralgeld. Dies erhöht die Geldmenge. Auf der Passivseite seiner Bilanz hat er jedoch eine Kreditverbindlichkeit in Höhe von 10.000 Euro.

Dieses Sichtguthaben erweckt bei manchen Bank-Kunden den Anschein, dass er damit reicher geworden ist, denn er kann jetzt für 10.000 Euro Waren und Dienstleistungen erwerben. Dies ist zweifellos der Fall, doch reicher ist er nicht, denn er muss den erhaltenen Kredit - seine Verbindlichkeit in Höhe von 10.000 Euro - tilgen und zusätzlich fortlaufend Zinsen an die Bank für das aus dem "Nichts" erschaffene Geld bezahlen.


Es ist also Geld entstanden, das vorher niemand anderes besaß, da es erst durch die Kreditvergabe geschöpft wurde. Im Fachjargon bezeichnet man dies korrekt als "Buchgeld". Die Bank ist nun berechtigt, für das neu "aus dem Nichts" geschöpfte und zugleich verliehene Geld Zinsen zu kassieren, obwohl sie das geschöpfte Geld vor dem Kredit nicht besessen hatte, da es nicht existierte. 

Logischerweise wird das neu erschaffene Buchgeld durch Kreditrückzahlung wieder vernichtet. Dies bedeutet: Würden rein theoretisch alle Kredite zurückgezahlt, gäbe es kein Buchgeld mehr.

Aus diesem Grund ist es natürlich nicht im Sinne der Banken, dass Kredite zurückbezahlt werden. Ganz im Gegenteil, die Bank ist immer weiter auf der Suche nach neuen Schuldnern. Deshalb sind mittlerweile nicht nur Privatpersonen und Unternehmen, sondern ganze Staaten in der Schuldenfalle. Dies geschieht ganz im Sinne der Banken, denn die Verschuldung und die daraus resultierenden Zinsen sind das Lebenselixier der Banken und halten den Apparat am Leben.


Werden Kredite doch zurückbezahlt, ist es im Sinne der Banken, dass die Tilgung eines Kredits zeitlich so weit wie möglich verzögert wird. Zumeist ist die von der Bank vorgeschlagene monatliche Tilgung (= Kreditrückzahlung) wesentlich niedriger als der monatlich zu zahlende Zins. Sondertilgungen sind nicht bei jedem Kredit möglich. Dadurch wird es dem Kunden unmöglich gemacht, vorzeitig das Kreditverhältnis zu beenden. Ziel der Banken ist immer, Kunden möglichst lange in der Zinszahlungspflicht zu halten.

Verschiedene Möglichkeiten der Kreditvergabe:

Die Geschäftsbank hat verschiedene Möglichkeiten, Herrn Maier einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro zu gewähren:

1. Die Geschäftsbank verfügt über 200 Euro Überschussreserve auf ihrem Zentralbankkonto

2. Die Geschäftsbank nimmt einen Kredit bei der Zentralbank über die 200 Euro auf.

Für die 200 Euro von der Zentralbank zahlt die Geschäftsbank den Leitzins an die Zentralbank. Von Herrn Maier kassiert sie jedoch den weit höheren Kreditzins und zwar über 10.000 Euro. In diesem Fall verleiht die Geschäftsbank Geld, dass sie weder besitzt noch ihr als Guthaben von einem Kunden anvertraut wurde. Dieses FIAT-Geld kommt schlicht und einfach aus dem "Nichts"!

3. Kurz vor Herrn Maier kam Herr Müller bei der Bank vorbei und zahlte 205 Euro bar auf seinem Girokonto ein.

Jetzt muss die Geschäftsbank nicht auf ihre Überschussreserve bei der Zentralbank zurückgreifen und kann folgendermaßen vorgehen. Sie bucht die 205 Euro auf ihrem Zentralbankkonto. 200 Euro Bargeld von Herrn Müller dienen als Absicherung für den 10.000-Euro-Kredit von Herrn Maier. Die verbliebenen fünf Euro Bargeld reichen als Reserve für bis zu 250 Euro Sichteinlage für Herrn Müller.
(5 Euro = 2 Prozent, also sind 250 Euro = 100 Prozent)

Das Bargeld von Herrn Müller ist mit seiner Einzahlung auf seinem Girokonto bei der Geschäftsbank Buchgeld geworden. Mit dieser Methode spart die Bank die Zinsen für den 200-Euro-Kredit von der Zentralbank. Herr Müller erhält für seine Ersparnisse 1,25 Prozent Zinsen gutgeschrieben, und Herr Maier muss 15 Prozent Zinsen für seinen Dispo-Kredit an die Bank berappen.

4. Herr Müller legt 10.000 Euro Sichteinlagen für mindestens zwei Jahre auf seinem Sparbüchlein fest an.

Somit wird dieses Geld zur Spareinlage und muss nicht mehr von der Mindestreserve der Bank abgedeckt werden.

Nun stellt sich die Frage: Handelt es sich bei Buchgeld um "wirkliches Geld" oder nur um ein Zahlungsversprechen?

Es liegt im Interesse der Geschäftsbanken, Buchgeld als gleichartig zu Bargeld erscheinen zu lassen. Ohne Zweifel handelt es sich ausschließlich um ein Zahlungsversprechen einer Bank. Das Geld auf ihrem Konto gehört der Bank - Sie haben lediglich eine Forderung an die Bank. Wird die Bank insolvent, müssen Sie hoffen, dass ein Bankenrettungsschirm greift und Sie Ihr Geld wieder erhalten.


Im Falle von wirklichem Geld sind Sie im Besitz von Banknoten und Münzen und somit eines gesetzlichen Zahlungsmittels. Im Falle eines Zahlungsversprechens sind Sie im Besitz von rein gar nichts. Kontostände sind Buchgeld - also Zahlungsversprechen. Buchgeld ist Grundlage des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Buchgeld ist jedoch - im Gegensatz zum Bargeld - kein gesetzliches Zahlungsmittel und unterliegt keiner gesetzlichen Annahmepflicht, wird jedoch im Wirtschaftsleben allgemein akzeptiert. Somit ist es bei den aktuell äußerst niedrigen Zinsen für das Tagesgeld überlegenswert, den eigenen "Geldbestand" in einem Schließfach oder zu Hause zu deponieren und Besitzer des Geldes zu sein, anstatt sich mit einem niedrig verzinsten Zahlungsversprechen einer vielleicht bald insolventen Bank abspeisen zu lassen.

Desweiteren sollten Sie sich die Frage stellen, warum Sie einer Bank Geld leihen sollten und ihr somit Ihr sauer verdientes Geld anvertrauen, obwohl gegenwärtig die Banken mangels gegenseitigem Vertrauen sich kein Geld mehr untereinander verleihen. Die Banken parken ihr Geld lieber bei der Europäischen Zentralbank.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Weiterlesen auf: Freiheit durch Wissen