Samstag, 28. September 2013

Die Finanzkrise 1.0

Die Jahrhundertkrise

Zwei einschneidende Ereignisse waren der Nährboden für diese Jahrhundertkrise: Zuerst die Aufhebung des Gold-Devisen-Standards in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts und anschließend die Flutung des amerikanischen Marktes mit billigem Geld, begünstigt durch niedrige Zinsen, Anfang des 21. Jahrhunderts.

Das Ende des Goldstandards

"Mit Ausnahme der Zeiten des Goldstandards haben praktisch alle Regierungen in der Geschichte ihr Exklusivrecht zur Ausgabe von Geld dazu benutzt, die Menschen zu betrügen und zu plündern."

Friedrich August von Hayek, Ökonom und Sozialphilosoph
Der Wert des amerikanischen Dollars und des britischen Pfunds wurde seit dem Jahr 1800 am Gold gemessen. Jeder gedruckte US-Dollar wurde mit einem bestimmten Wert an Gold hinterlegt. Aus diesem Grund spricht man vom Goldstandard. Auf der Konferenz von Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire im Jahre 1944 wurde der Dollar zur Leitwährung erklärt.


Bretton Woods Konferenz 1944
"Bretton Woods" wird das im Juli 1944 von 44 Nationen beschlossene System fester Wechselkurse bezeichnet, welches Goldparitäten und die volle Konvertibilität des US-Dollar als Leitwährung (Weltwährung) vorsah. Ziel des Abkommens war es, nach dem Zweiten Weltkrieg den internationalen Handel durch geordnete Währungsbeziehungen anzukurbeln. Der Grund hierfür war, dass die Vereinigten Staaten von Amerika über die größten Goldreserven verfügten und sich bereit erklärten, jeden Dollar gegen Gold zu tauschen. Daher kommt der Begriff Golddeckung.

Als die Kosten für den Vietnamkrieg der US-Regierung völlig aus dem Ruder liefen, sah sie sich "leider" gezwungen, den Goldstandard abzuschaffen. Jetzt fragen Sie sich bestimmt, was haben der Vietnamkrieg und seine damit verbundenen Kosten mit dem US-Dollar und dem Goldstandard zu tun? Nun ja, die Finanzsupermacht USA hat weitaus mehr Dollarscheine zur Kriegsfinanzierung in Umlauf gebracht, als durch das Gold der US-Notenbank gedeckt war. Das Vertrauen in den US-Dollar als Leitwährung schwand. Global tauschten die Notenbanken ihre Dollarreserven in Gold. Besonders unsere Nachbarn aus Frankreich wollten lieber Gold als US-Dollar - sie fuhren mit Containern in Amerika vor.



1969 bis 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten
Am 15. August 1971 wurde der Grundstein unseres heutigen Wirtschaftssystems gelegt. An diesem Tag hob der damalige US-Präsident Richard Nixon die Goldbindung des Dollar auf. Er verkündete seinem Volk in einer Fernsehansprache, dass sich die USA von nun an weigern würden, den Dollar jederzeit gegen eine festgelegte Menga des Edelmetalls einzutauschen. Bis dato konnte jeder 35 Dollar gegen eine Feinunze (31,1 Gramm) eintauschen. Dies war ein gravierender Vertragsbruch der USA. Doch Nixon musste die Notbremse ziehen, ansonsten drohte der Ausverkauf der US-Goldreserven.

Die Folge seines Beschlusses war, dass der Goldpreis welcher bisher auf 35 Dollar je Unze (31,1 Gramm) festgelegt war, kontinuierlich anfing zu steigen. Zwei Jahre später wurden dann sämtliche Wechselkurse zum Dollar freigegeben.


"Ohne Goldstandard gibt se keine Möglichkeit, Ersparnisse vor der Enteignung durch Inflation zu schützen. Es gibt dann kein sicheres Wertaufbewahrungsmittel mehr. Wenn es das gäbe, müsste die Regierung seinen Besitz für illegal erklären, wie es ja im Falle von Gold auch gemacht wurde."



Alan Greenspan, ehemaliger Notenbankchef der USA
Margaret Thatcher "macht den Weg frei"


Am 27. Oktober 1986 äußerte die damalige Premierministerin von Großbritannien Margaret Thatcher folgenden Satz: "Lasst uns die Regeln wegwerfen, die den Erfolg bremsen!"
Sie meinte damt, dass zukünftig in Großbritannien ein Großteil der Regeln für den Handel an den Börsen gestrichen wird. Die Zeitschrift "Stern" bringt es mit folgendem Vergleich auf den Punkt: "Es ist, als ob die Briten beim Fußball die Regeln für Abseits und Foulspiel abgeschafft haben und den Schiedsrichter gleich mit!" Thatcher löste ein globales Wettrennen um die Deregulierung der Finanzmärkte aus. Am 22. Februar 1990 beschließt die Regierung Kohl unter anderem die Abschaffung der Börsenumsatzsteuer.


Noch bis 1991 mussten für jede Transaktion an der Börse Steuern bezahlt werden. Heute heißt diese heiß diskutierte Steuer Finanztransaktionssteuer. Am 12. November 1999 hob der damalige US-Präsident Clinton ein Gesetz von 1933 (den Glass-Steagel Act) auf, welches die strikte Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken beinhaltete. Geschäftsbanken handelten im Gegensatz zu Investmentbanken nicht auf eigene Rechnung (Eigenhandel). Nach der Streichung des Trennungsgesetzes fusionierten die Geschäftsbanken mit Investmentbanken. Von nun an mussten die Spekulanten nicht mehr mit dem eigenen Vermögen zocken, sondern sie bekamen Zugriff auf die Guthaben der Sparer. Eigenhandel nicht mit dem eigenen Geld, sondern mit dem Geld der anderen - was kann es für einen Banker Besseres geben? Der Wahnsinn nimmt von jetzt an seinen Lauf.




1 Kommentar:

  1. Das Prinzip "teile und herrsche"

    "Dem Gold verdanken wir die Arbeitsteilung und damit auch die Kulturgüter, denen wir uns erfreuen. Dem Gold aber verdanken wir auch wieder, dass von den geschaffenen Gütern der bei weitem größte Teil, und zwar das Beste, dem Schmarotzertum verfällt. Ist doch das Gold der Vater des Kapitalismus. Dank seinen körperlichen (Edelmetall) und seinen gesetzlichen Vorrechten (gesetzliches Zahlungsmittel) nimmt das Goldgeld eine Ausnahmestellung ein unter den Gütern, deren Austausch auf das Geld angewiesen ist. Das Goldgeld ist darum auch zum allgemeinen Sparmittel geworden, und der Sparer gibt es nicht wieder heraus, es sei denn, dass man ihm einen Zins verspricht. Früh oder spät verfällt aber alles Geld, das der Staat als Tauschmittel in Umlauf setzt, der Kasse irgendeines Sparers, sodass wiederum alles umlaufende Geld aus den Sparkassen kommt, also mit Zins belastet den Markt betritt, um seine Tätigkeit als Tauschmittel zu erfüllen. Diese Doppeltätigkeit des Geldes als Tauschmittel und als Sparmittel ist gegensätzlicher Natur und als Missbrauch des Tauschmittels zu betrachten. Dadurch, dass dem Güteraustausch nur verzinsliches Geld zur Verfügung steht, wird der Zins Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt.
    …So kam mit dem Gold und der Arbeitsteilung zugleich der große Friedensstörer, der Zins, auf die Welt. Die Arbeitsteilung an sich verlangt keinen Zins. Wer sollte da auch Zins zahlen und weshalb? Die Arbeitsteilung hätte also den Menschen allgemeinen Wohlstand bringen sollen, da sie ja kein Vorrecht einzelner, sondern allen Menschen zugänglich ist. Aber aus den Händen des Goldes empfing die Menschheit diese Götterkraft nur unter der Bedingung des Zinses, und damit auch der Trennung der Menschen in arm und reich. Als ob neidische Götter der Menschheit den Machtzuwachs nicht gegönnt, die Unabhängigkeitserklärung der Menschen vom göttlichen Gängelband gefürchtet und dem dadurch vorgebeugt hätten, dass sie nach dem Grundsatz "teile und herrsche" den Zins als Spaltpilz in die Menschenfamilie eingepflanzt hätten!"

    Silvio Gesell ("Ist der Bürger- und Völkerfrieden vereinbar mit der Goldwährung?", 1916)

    In einer Volkswirtschaft sind die Waren das Angebot und das Geld bildet die Nachfrage. Der Gegenwert allen umlaufenden Geldes ist immer der Wert aller gegenläufig umlaufenden Waren, die aktuell dagegen getauscht werden, und nicht "beliehene Sachwerte", eingelagerte Goldklötzchen oder sonst irgendetwas. Das heutige Papiergeld ist deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil es gänzlich unreflektiert dem Edelmetallgeld der Antike nachgeäfft wurde!

    Die wirklich interessante Frage ist, warum eine Menschheit, die bereits Raumfahrt betreibt (und in "God´s own country" schon wieder einstellen musste), etwas im Grunde so Einfaches wie das Geld bis heute nicht verstehen konnte.

    Einführung in die Wahrheit

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