Samstag, 28. September 2013

Anonyme Briefkastenfirmen - Steuerparadiese und Schlaraffenland

Die deutsche Finanzkrise beginnt im Jahr 1998 in Wilmington


Jetzt werden Sie sich bestimmt fragen: Wo ist Wilmington, und wieso begann die deutsche Finanzkrise dort? Wilmington ist eine Stadt im New Castle County im US-Bundesstaat Delaware an der Atlantikküste der Vereinigten Staaten von Amerika. In besagter Stadt besuchen im Jahr 1998 Firmenanwälte der BayernLB eine US-Kanzlei. Der Grund hierfür: Delaware ist weltweit eines der größten Zentren für anonyme Briefkastenfirmen, also ein Steuerparadies, wie es im Buche steht. Anfang 2009 sollen laut Manager Magazin knapp fünf Billionen Dollar dort versteckt sein. 

Heute wird es wohl einiges mehr sein.


Conduit

Als Conduit wird eine Refinanzierungsstruktur bezeichnet, die mittels einer Zweckgesellschaft Forderungen wie beispielsweise langlaufende Kredite, Handelsforderungen oder extern bewertete Wertpapier einmalig oder revolvierend ankauft und dies über die Ausgabe von Geldmarktpapieren in international gängigen Währungen refinanziert.

Es stellt sich die Frage: Was beabsichtigt eine deutsche Landesbank in einem Steuerparadies? Ganz einfach, sie gründet eine Briefkastenfirma, auch Conduit oder Zweckgesellschaft genannt, denn es hat sich mittlerweile bis nach München herumgesprochen, dass Banken ihre Kreditverträge zu Tausenden bündeln und daraus handelbare Wertpapiere machen. Die Landesbank träumt vom großen Geld und dem neuen Dreh, unschöne Altlasten wegzuzaubern. Dies ist möglich aufgrund der schwachen Bilanzregeln des deutschen Handelsgesetzbuches (HGB). Die Conduits arbeiten wie hundertprozentig beherrschte Tochtergesellschaften.

Sie sind offiziell Eigentum eines Treuhänders oder eines Trusts - ein juristischer Kniff. Laut HGB müssen sie nicht mehr als Geschäfte von Tochterfirmen bilanziert werden. Die Banken bezeichnen sich frecherweise als Sponsor oder Originator der Conduits. Nichtsdestotrotz werden die Geschäfte oftmals komplett in den Büros der deutschen Banken betrieben. In den Jahresabschlüssen wird verheimlicht, dass die Banken tatsächlich über ein komplexes Geflecht von verbindlichen Verträgen für alle Verluste der Conduits haften.

Die Zweckgesellschaften sind in der Bilanz der Landesbank nicht ersichtlich. Dadurch kann die Landesbank Eigenkapital sparen. Für die deutsche Bundesantsalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) besteht keinerlei Möglichkeit, die Machenschaften der Landesbanken zu überprüfen, da ihr der direkte Zugriff auf diese Schattenbanken - seien sie in Delaware, Dublin, auf den Cayman Islands, in Luxemburg oder auf Jersey - fehlt.

Der Trick mit den Zweckgesellschaften hat für die Bank oder besser gesagt für die Banker folgenden Vorteil: Er entlastet die Banken von ihrer aufsichtsrechtlichen Pflicht, für Risikogeschäfte genug Eigenkapitalpuffer bereitzuhalten. Dies bedeutet, dass sie außerhalb der Bilanz hohe Risiken eingehen, ohne ihr Eigenkapital zu erhöhen. Somit ist es den Bankmanagern möglich, im Jahresabschluss mit hohen Gewinnen bei relativ niedrigem Eigenkapital zu brillieren. Dies ist dem Banker egal.

Nicht egal ist ihm jedoch, das dies massiv die Eigenkapitalrendite verbessert, und dies ist die wichtigste Messzahl zur Berechnung seiner Bonuszahlungen.

Dagobert Duck
Jeder Normalbürger würde bei einer solchen Vorgehensweise wegen Bilanzfälschung und Steuerhinterziehung hinter Gitter kommen.

Die New Yorker Niederlassung der BayernLB investiert zur gleichen Zeit in verbriefte Hypotheken. Bereits im Jahresverlauf übersteigt das Volumen zwölf Milliarden Dollar. Sie sind die Ersten unter den Landesbanken, die Sachsen LB, die LBBW, die halbstaatliche IKB aber später auch Privatbanken wie die Hypo Real Estate werden folgen, denn auch sie wollen am globalen Wettbewerb um riskante renditestarke Papiere mitmischen. Alle wollem Sie am "Kredithebel" spielen in Zeiten des aufkeimenden US-Immobilienbooms.

Wie die Banken das machen, wird in einem weiteren Artikel genauer erklärt werden.

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